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 FAUST spielen

Christoph Bochdansky, Figurentheater Wilde&Vogel

Film: http://www.youtube.com/watch?v=AZnQSgg8TGY

 

 

Regie: Christiane Zanger

Ausstattung und Spiel: Christoph Bochdansky, Michael Vogel

Musik: Charlotte Wilde

Goethe Faust der Tragödie zweiter Teil, Fünfter Akt, offenes Feld. Die Sorge tritt auf, um Faust (in höchstem Alter) in sein Ende zu führen. Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod geraten die Erinnerungen an Forscherdrang und Teufelspakt, Lüsternheit und Liebespein, Höhenflug und Hexensabbat bald zum derben Schwank, bald zur Travestie, bald zum packenden Bildertheater. 

Weib, Wissenschaft und Welt: jeglicher Besitzanspruch wird in Faustens Tod ad absurdum geführt. Faustens Visionen einer freien Zukunft auf errungenem Grund gehen auf in einer geplatzte Tüte gefüllt mit Staub. Bleibt etwas nach dem Debakel?

Und wir? Wissen wir noch, was eine Seele ist? Und welcher arme Teufel wird uns noch irgendetwas dafür geben, wenn sie uns selbst nichts mehr wert ist?

Musikalisch herausgefordert und beleuchtet von Charlotte Wildes live bespielten Klanginstallationen. Während sich die Figurenspieler Christoph Bochdansky und Michael Vogel mit legendärem Kaspermut den alten Hut aufsetzen und bis über den Rand der Krempe gehen.

Der Tragödie erster und zweiter Teil in 77 Minuten. Ein Ereignis auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, ein figurentheatralischer Akt äußerster Verdichtung.

„FAUST spielen“ ist nach „Sommernachtstraum - reorganisiert“ die zweite Koproduktion von Wilde & Vogel mit Christoph Bochdansky.

 

Faustus:
Wie kommt’s dann, daß du außerhalb der Hölle?
Mephistopheles:
Ich bin nicht außerhalb, dies hier ist Hölle!

(Christopher Marlowe)

Koproduktion mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig Gefördert durch:

Kulturamt Stuttgart, Europäische Union Programm Kultur, Wien Kultur, Bundesministerium für Unterricht Kunst und Kultur

 

 

In Sigrid Damm’s Recherche „Christiane und Goethe“ wird der Fall der jugendlichen Säuglingsmörderin Anna  Catharina Höhn dargestellt, die am 28.11 1783 in Weimar mit dem Schwert hingerichtet wird. Aktenkundig ist Geheimrat Goethes Empfehlung das Todesurteil zu vollstrecken ( daß auch nach meiner Meinung räthlicher seyn mögte die Todesstrafe beyzubehalten. und später: ich habe mein politisches und mein gesellschaftliches Leben ganz von meinem moralischen und poetischen getrennt. und weiter: ie größer die Welt desto garstiger wird die Farce.)

Dies geschieht sieben Jahre bevor er Christiana Sophia Vulpius in denselben Stand einer ledigen Mutter versetzt. Die damit verbundene Geld-und Haftstrafe kann er ihr Dank seines Einflusses bei Hofe ersparen, die gesellschaftliche Ächtung nicht.

Ihren Bruder, Christian August Vulpius, einen glücklosen Literaten, unterstützt er finanziell mit einiger Berechnung und spricht von dessen Werken als „Exkrementen der Weimarischen Armuth“. Kommerzielle Ritter- Feen- und Abenteuergeschichten gehören dazu und auch ironische Zeitsatiren. So z.B. das „Glossarium für das Achtzehnte Jahrhundert“. Daraus einige Stichworte (die ich unserem Kaiser unterjubeln werde):

„Vaterland, eine Fratze, welche nur schwachköpfichte Menschen amusirt.

Stand, hoher, ein Vollmachtsbrief, alles cum privilegio zu thun, was ein Niedriger nicht ohne Strafe zu thun wagen darf.“ (Gedankensprung)

Die vierundzwanzigjährige ledige Mutter Faustina Antonini ist es, mit der Goethe in Italien achtunddreißigjährig seine „anmutigen (sprich: sexuellen) Spaziergänge“ unternimmt, die ihm das Gemüth erfrischen und den Körper in ein köstliches Gleichgewicht bringen.

Folgendes passt zu unserem Kaiser:

Heinrich Heine schreibt über Goethe: Dieser Riese war Minister in einem deutschen Zwergstaat. Er konnte sich nie natürlich bewegen. Man sagt von dem sitzenden Jupiter des Phidias zu Olympia, dass er das Dachgewölbe des Tempels zersprengen würde, wenn er einmal plötzlich aufstünde. Dies war ganz die Lage Goethes zu Weimar; wenn er aus seiner stillsitzenden Ruhe einmal plötzlich in die Höhe gefahren wäre, er hätte den Staatsgiebel durchbrochen oder, was noch wahrscheinlicher, er hätte sich daran den Kopf zerstoßen.

 

Goethes Rolle als Begleiter des Herzogs auch auf Kriegspfaden. Dort erlebt er, der Zivilist, „einen bösen Traum, der mich zwischen Koth und Noth, Mangel und Sorge, Gefahr und Qual, zwischen Trümmern und Leichen, Äsern und Scheishaufen gefangen hielt.“)

                       

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